Tagesimpuls für Samstag, 4. April

Tagesimpuls für Samstag, 4. April
04 Apr 2020

Wenn wir in diesen Wochen im Dorf unterwegs sind weil wir eine Besorgung zu erledigen haben, sind die Strassen beinahe leer. Auffallen tun uns immer wieder Bauern, welche mit ihren schweren Traktoren durchs Dorf und hinaus auf die Felder fahren. Es ist Frühling – Zeit dass die Felder bestellt werden. Denn der Kreislauf von Säen, Wachsen, Reifen und Ernten dreht sich weiter. Wir möchten auch in Zukunft Nahrung haben.

In der Bibel finden wir verschiedene Berichte in denen es um säen und/oder ernten geht. Auch Jesus erzählt Geschichten als Beispiele und Gleichnisse. Mit diesen möchte er den Menschen etwas erzählen. Ein Gleichnis, das mich immer wieder anspricht, ist das Gleichnis vom Senfkorn.

 

Das Gleichnis vom Senfkorn   (Mt 13,31-32)

In jener Zeit erzählte Jesus ein weiteres Gleichnis und sagte:

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Senfkorn,

das ein Mann auf seinen Acker säte.

Es ist das kleinste von allen Samenkörnern;

sobald es aber hochgewachsen ist,

ist es größer als die anderen Gewächse

und wird zu einem Baum,

sodass die Vögel des Himmels kommen

und in seinen Zweigen nisten.

 

Innere Bilder

Ich lade Sie zu einer inneren Bildbetrachtung ein.

Lesen Sie zuerst unten den Ablauf; dann schliessen Sie die Augen, stellen sich die folgenden Bilder vor und öffnen am Schluss dann wieder Ihre Augen:

 

(Augen schliessen)

Stellen Sie sich ein Senfkorn in Ihrer Hand vor: die Grösse, seine Form und Farbe.

Sie legen das Senfkorn in die Erde und warten, dass die junge Pflanze die Erde durchbricht.

Die Pflanze wächst.

Sie wird gross – wie ein Baum.

Vögel kommen und setzen sich in den Baum.

Sie beobachten den Baum.

(nach einer Weile die Augen wieder öffnen)

Was haben Sie gesehen?

Welche Bilder sind Ihnen bewusst geworden?

Gedanken zum Bibeltext                        

Das Bild vom Baum mit den darin nistenden Vögeln spricht mich immer wieder sehr an. Bei mir Zuhause vor dem Block hat es einen grossen Baum. Jetzt ist er noch kahl. Wenn es warm ist, liebe ich es, einen Moment auf dem Balkon zu verweilen, in den Baum zu blicken und dem Vogelgezwitscher zuzuhören – ein richtiges Vogelkonzert in diesen Frühlingstagen.

Für mich ein paradiesisches Bild.

 

Jesus geht es in seinem Gleichnis nicht darum, einfach ein schönes Bild zu beschreiben.

Es gab wohl in biblischer Zeit kleinere Samen als jene der Senfpflanze und auch grössere Bäume. Denn die Senfpflanze wird je nach Art zu einem Strauch bis etwa 3m Höhe. Jesus will den Gegensatz zwischen dem kleinen Samen und der später grossen Pflanze ansprechen. Er braucht das Bild für eine Beschreibung des Himmelreiches.

Wie aus einem kleinen Samen eine grosse Pflanze wird, kann auch das Himmel-reich oder Gottesreich in uns wachsen. Gottes Himmelreich ist nicht einfach etwas Fernes und Jenseitiges.

Gottesreich können wir in der Schöpfung erahnen. Gott, der alles erschaffen hat: vielfältig, bunt, klein und gross. Wir sehen die Verschiedenheit in der Landschaft, der Pflanzen, der Tiere und auch von uns Menschen. Wir sind eingeladen, diese Schönheiten immer wieder neu zu entdecken. Wir dürfen die Schöpfung nutzen. Dafür sollen wir Gott dankbar sein. Wir sind aber auch gefordert, Gottes Schöpfung zu schützen und zu erhalten.

Gottesreich dürfen wir auch überall dort erfahren, wo Menschen erfüllt und getragen von der Liebe Gottes in Frieden und Gerechtigkeit, in Freundschaft und Liebe einander begegnen und miteinander leben.

Gottesreich kann wie ein kleiner Same in unseren Herzen sein. Doch wenn wir ihm guten Boden bereiten, wenn wir uns von ihm ansprechen lassen, wird dieser Same in uns wachsen, bis Gottesreich in uns gewachsen und stark ist wie ein grosser Baum.

Bereit sein zu sterben ist Auferstehung

Nur wenn ein Samenkorn in die dunkle Erde fällt –also stirbt, kann es sich wandeln und zu einer neuen Pflanze werden – Auferstehung.

Mit dem morgigen Palmsonntag treten wir in die Karwoche ein. Aus unserem nachösterlichen Blick wissen wir, dass mit dem Einzug von Jesus in Jerusalem sein Leidensweg begann. Der Tiefpunkt wird am Karfreitag sein Tod sei. Doch der Höhepunkt erfolgt an Ostern: seine Auferstehung.

Der Kreislauf der Natur zeigt uns das Jedes Jahr wieder neu: nach dem Herbst und Winter folgt der Frühling, wenn die Natur zu neuem Leben erwacht.

 

In den Gottesdiensten von Palmsonntag bis Ostern singe ich jeweils das Lied im Kirchengesangbuch bei der Nr. 390:

‚Korn das in die Erde‘.

Korn, das in die Erde, in den Tod versinkt,
Keim, der aus dem Acker in den Morgen dringt.
Liebe lebt auf, die längst erstorben schien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Über Gottes Liebe brach die Welt den Stab,
Wälzte ihren Felsen vor der Liebe Grab.
Jesus ist tot. Wie sollte er noch fliehn?
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

Im Gestein verloren Gottes Samenkorn,
Unser Herz gefangen in Gestrüpp und Dorn –
Hin ging die Nacht, der dritte Tag erschien:
Liebe wächst wie Weizen, und ihr Halm ist grün.

 

https://www.youtube.com/watch?v=54HyDvOFa7g

(Hier können Sie das Lied hören mit stimmigen Bildern dazu)

 

Ich wünsche Ihnen, dass es nach einem Winter im Leben immer wieder Frühling; nach dem Dunkel einer Nacht immer wieder Tag wird.

Dass Sie wie ein Samenkorn Kraft und Zuversicht in sich tragen, dass dieses Samenkorn wächst und Sie ganz erfüllt.

 

In Verbundenheit Beatrice Emmenegger 

 

Hinweis

Morgenfinden Sie hier als Tagesimpuls eine Hausfeier für den Palmsonntag.

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